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Was sind eigentlich Biokunststoffe und wie umweltfreundlich sind sie wirklich

Können Produkte aus Biokunststoff über die Biotonne entsorgt werden? Dürfen sie in den Kompost? Ist es in Ordnung, Bioplastik draußen liegenzulassen, damit zum Beispiel Vögel damit ihre Nester bauen können?

Die Bezeichnung Biokunststoff klingt zwar nachhaltig, ist aber etwas irreführend. Denn Biokunststoff muss nicht zwangsläufig umwelt- und klimafreundlicher sein als herkömmlicher Kunststoff.

Wir erklären, was genau es mit den Biokunststoffen auf sich hat!:

Was ist Biokunststoff?

Eine einheitliche Definition für Biokunststoffe gibt es nicht. Das vorangestellte „Bio-“ kann sich darauf beziehen, dass ein Kunststoff

  • aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wurde und damit biobasiert ist,
  • biologisch abbaubar ist oder
  • sowohl aus nachwachsenden Rohstoffen besteht als auch biologisch abbaubar ist.

Daraus ergibt sich, dass eine Vielzahl von Polymeren zu den Biokunststoffen gehören. Sie lassen sich aber grob in drei Arten einteilen, nämlich in:

  • erdölbasierte, biologisch abbaubare Kunststoffe
  • biobasierte, biologisch abbaubare oder kompostierbare Kunststoffe
  • biobasierte, nicht biologisch abbaubare Kunststoffe

In der Fachliteratur werden demnach auch Materialien als Biokunststoffe bezeichnet, die nicht biologisch abbaubar sind, obwohl sie organisch hergestellt wurden. Gleiches gilt für Polymere, die zwar biologisch abbaubar sind, aber Erdöl als Rohstoff haben.

Was heißt biologisch abbaubar?

Das Deutsche Institut für Normung definiert die biologische Abbaubarkeit in der DIN 16208 wie folgt: „Die biologische Abbaubarkeit umfasst die Eigenschaft eines Stoffes, durch Mikroorganismen in Anwesenheit von Luftsauerstoff zu Kohlendioxid, Wasser, Biomasse und Mineralien sowie unter Luftabschluss zu Kohlendioxid, Methan, Biomasse und Mineralien zersetzt zu werden, wobei kein Zeitraum definiert ist.“

Unterschiede:
Wichtig an dieser Stelle ist, zwischen der biologischen Abbaubarkeit und der Abbaubarkeit zu unterscheiden. Biologisch abbaubar bedeutet, dass sich ein Material in die Bestandteile zersetzt, die in der Natur vorkommen, allen voran in Kohlenstoffdioxid und Wasser. Im Unterschied dazu meint abbaubar, dass ein Material verwittert oder größere Plastikteile in Mikroplastik zerfallen. Mikroplastik ist zwar kaum zu sehen, deswegen aber nicht minder umweltschädlich.

Die Kompostierung beschreibt den gleichen Prozess unter optimierten Bedingungen im Zeitraffer. Es geht also um Bedingungen, die der Mensch gezielt herbeiführt, die es in der Natur so aber normalerweise nicht gibt. Alle kompostierbaren Kunststoffe sind zugleich biologisch abbaubar.

Mehr informationen:  Wie Kunststoffe unseren Alltag verbessern

Andersherum sind aber nicht alle biologisch abbaubaren Kunststoffe auch kompostierbar. Und grundsätzlich sind Biokunststoffe, die als kompostierbar gekennzeichnet sind, nicht für den Komposthaufen im heimischen Garten, sondern für eine industrielle Kompostierung ausgelegt.

biologisch abbaubar

Warum ist die Verwertung von Biokunststoffmüll problematisch?

Wie lange es dauert, bis sich ein biologisch abbaubarer Kunststoff zersetzt hat, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Neben der Art des Biokunststoffs gehören dazu unter anderem die Temperatur, die Feuchtigkeit, der Salzgehalt, die UV-Einstrahlung, die Zufuhr von Sauerstoff und vorhandene Mikroorganismen.

Allgemeingültige Aussagen zur Zersetzungsdauer sind deshalb nicht möglich. Die Dauer richtet sich immer nach dem Material, der Umgebung und der Situation.

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Bei vielen Biokunststoffen, die als biologisch abbaubar gekennzeichnet sind, erfolgt ein Abbau nur unter sehr besonderen Bedingungen. In der Umwelt sind solche Bedingungen aber oft nicht gegeben. Im Meer beispielsweise werden auch biologisch abbaubare Kunststoffe gerade nicht abgebaut. Deshalb sollte Biokunststoff genauso wenig in die Natur gelangen wie herkömmliche Kunststoffe. Zudem sind auch Biokunststoffe keine echte Lösung für die großen Plastikmüllberge und das Problem mit Mikroplastik.

Ein weiterer Aspekt ist, dass die Kompostierung von Biokunststoffen bislang eher ein theoretischer Ansatz ist. Wie fast überall auf der Welt findet in Deutschland noch keine Biokunststoff-Kompostierung in industriellem Umfang statt.

Biologisch abbaubare Kunststoffe verweilen deutlich länger in den Anlagen als zum Beispiel Küchenabfälle. Um Kunststoffrückstände im Kompost zu vermeiden, werden Biokunststoffe in den Müllverwertungsanlagen aussortiert und verbrannt.

Im weltweit eingesetzten Kunststoff ist der Anteil an Biokunststoffen verschwindend gering. Und ohne ein spezielles Recyclingverfahren ist es nicht möglich, Biokunststoffe zu recyceln.

Bei herkömmlichen Kunststoffen sieht die Sache anders aus. Fortschrittliche Recyclingtechnologien machen es möglich, die Polymere so sortenrein zu sortieren, dass sie wiederverwertet und für die Herstellung neuer Produkte verwendet werden können.

Mehr informationen:  Korrosionsbeständigkeit von Kunststoffen

Was bedeutet biobasiert?

Von biobasierten Materialien wird gesprochen, wenn sie aus organischen Substanzen produziert wurden. Im Fall von Biokunststoff liefern nachwachsende Rohstoffe wie Mais, Zuckerrohr oder Zellulose die Biomasse. Allerdings können biobasierte Kunststoffe auch aus einer Mischung aus Biomasse und fossilen Rohstoffen bestehen.

Die nachwachsenden Rohstoffe für Biokunststoffe lassen sich in drei Generationen einteilen. Die erste Generation umfasst typische Feldfrüchte wie Mais und Zuckerrohr. Zur zweiten Generation gehören Zellulose-Kulturen, Rückstände und landwirtschaftliche Abfälle. Unter die dritte Generation fallen zum Beispiel Algen.

Allein die Rohstoffgeneration sagt noch nicht unbedingt etwas darüber aus, wie umweltverträglich der daraus hergestellte Kunststoff ist. Denn zum einen spielt hier eine Rolle, welche Auswirkungen die Gewinnung der Rohstoffe auf die Umwelt und das Klima hat. Und zum anderen hängt die Umweltverträglichkeit davon ab, ob der biobasierte Kunststoff später recycelt, kompostiert oder verbrannt wird.

Im direkten Vergleich schneiden Biokunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen nicht unbedingt besser ab als konventionelle Kunststoffe. Letztere verursachen zwar meistens mehr Treibhausgase.

Aber die Rohstoffe für Biokunststoffe werden in aller Regel auf landwirtschaftlichen Flächen angebaut. Dadurch können sie mit der Lebensmittelversorgung konkurrieren oder die Abholzung von Waldflächen begünstigen. Je nach Anbaumethode kann eine weitere Folge sein, dass die Böden versauern oder mit Nährstoffen überversorgt sind.

Wertstoffkreislauf

Und was heißt das alles für den Kunststoffsektor?

Letztlich sind Biokunststoffe nur dann umweltfreundlicher als klassische Polymere, wenn sie aus nachwachsenden, nachhaltig gewonnen Rohstoffen hergestellt und in einen geschlossenen Kreislauf überführt werden. Ein geschlossener Wertstoffkreislauf setzt voraus, dass biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe gesammelt, verarbeitet und wiederverwendet werden können. Notwendig dafür sind einheitliche Definitionen, klare Kennzeichnungen und technische Fortschritte.

Doch die gleichen Anforderungen gelten auch für konventionelle Kunststoffe. Kunststoffe sind im modernen Leben nicht zu ersetzen. Gleichzeitig war und ist die Kunststoffbranche von technischen Innovationen, Weiterentwicklungen und Forschung geprägt.

Das Ziel muss sein, Ressourcen sinnvoll und schonend einzusetzen, hochwertige und langlebige Kunststoffe zu produzieren und das Recycling voranzubringen, um die Kreisläufe zu schließen. Dieser Anspruch gilt für alle Kunststoffe gleichermaßen.